SHIATSU

Shiatsu (jap. 指圧, dt. „Fingerdruck“) ist eine in Japan entwickelte Form der manuellen Therapie, deren historische Wurzeln in der chinesischen Massage Tuina und den frühmodernen japanischen Formen des Anma liegen. Unter dem Druck der Einführung und Konsolidierung des westlichen Gesundheitswesens wurden Anfang des 20. Jahrhunderts verschiedene Formen der „energetischen Körperarbeit“ und manuellen Behandlungsmethoden unter dem Namen Shiatsu kombiniert, um den Status einer eigenständigen Therapieform und damit einen Platz im neuen Gesundheitswesen zu erlangen. Die Definition in der 1957 vom Büro für medizinische Angelegenheiten des japanischen Gesundheitsministeriums publizierten Schrift "Theorie und Praxis des Shiatsu (Shiatsu no riron to jitsugi)" ist nüchtern. Ihrzufolge handelt es sich bei der Shiatsu-Methode (Shiatsu-hō) um eine Maßnahme, bei der man mit dem Finger und Handballen Druck auf bestimmte Stellen der Körperoberfläche ausübt, um Unregelmäßigkeiten des Organismus zu korrigieren und die Gesundheit zu wahren. Wörtlich bedeutet Shiatsu „Fingerdruck“, doch arbeiten die Praktiker gewöhnlich weniger mit Muskelkraft in Fingern und Armen als mit ihrem Körpergewicht. Nach Auffassung repräsentativer Vertreter dieser Therapie sucht der "Tori" (der Praktiker) während der Behandlung eine „energetische Beziehung“ (Energie hier im Sinne von Qi) zu "Uke" (der Klient) herzustellen. Dieser wiederum trage zum Erfolg seiner Behandlung durch Achtsamkeit, Sensibilität und Offenheit bei. Die zwei einflussreichsten Pioniere des Shiatsu in Japan sind Tokujirō Namikoshi(1905–2000) und Shizuto Masunaga (1925–1981). Namikoshi begründete 1925 in Hokkaido erstmals eine kleine Schule und dann 1940 in Tokyo die „Japan Shiatsu Akademie“ (Nihon Shiatsu Gakuin). Er erreichte unter anderem die staatliche Anerkennung von Shiatsu als eigenständige Therapieform. Masunaga, einer von Namikoshis Schülern, studierte Psychologie an der Universität Kyōto, was einen beträchtlichen Einfluss auf sein weiteres Werk hatte. Er erweiterte das Meridiansystem (Leitbahnsystem) und entwickelte eigene Deutungen der energetischen Struktur des menschlichen Körpers. In seinem, in westlichen Sprachen Iokai Shiatsu genannten Konzept, einer Synthese von westlicher Physiologie und Psychologie mit traditioneller sinojapanischer Medizin, spielen einzelne Punkte keine große Rolle. Masunaga behandelt den gesamten, erweiterten Meridian, der über die jeweilige Diagnostik-Zone des Abdomens verläuft. Neben der Hara-Diagnose (Abdominaldiagnose) entwickelte er zudem auch die Rückendiagnose weiter und propagierte spezielle Meridian-Stimulierungsübungen (Makkōhō). Sein Buch Zen Shiatsu erschien 1977, seine Lehre wurde von Masunagas Schülern auch im Westen verbreitet und weiterentwickelt.

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